Martin-Luther-Kirche
Geschichte und Baukunst
Weil die Dreikönigskirchgemeinde in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts auf 55.000 Glieder angewachsen war, wurde 1880 die Martin-Luther-Gemeinde ausgepfarrt. Für die neu gegründete Gemeinde musste nun ein Kirchengebäude errichtet werden.
Dazu schrieb der Kirchenvorstand einen Architektenwettbewerb aus. Der Bau sollte im romanischen Stil oder in »edler italienischer Renaissance« ausgeführt werden. 35 Architekten aus dem In- und Ausland sandten Entwürfe ein. Den ersten Preis erhielt Tony Eul aus Louvian (Belgien), der zweite Preis ging an das Dresdner Architekturbüro Giese & Weidner. Den Auftrag erhielten Giese & Weidner mit der Auflage, Ideen aus dem erstplatzierten Entwurf einzuarbeiten.
Der erste Spatenstich erfolgte am 11. September 1883; die Grundsteinlegung fand am 12. November des gleichen Jahres statt. Am 10. November 1887, Luthers 404. Geburtstag, beging die Gemeinde die festliche Kirchweihe.
Der Außenbau der Martin-Luther-Kirche hat eine Länge von 54 m und eine Breite von 27 m. Mit ihrem 81 m hohen Turm diente das Gotteshaus auch der städtebaulichen Aufwertung des rechtselbischen Stadtteils.
Obwohl die Kirche im romanischen Baustil errichtet wurde, wirkt der Bau in Formen und Proportionen eher gotisch. Er stellt also nicht einfach eine Übernahme oder Wiederholung eines mittelalterlichen romanischen Bautyps dar, sondern hat durchaus einen eigenen Charakter.
Das Innere des Kirchenraumes mit seinen 1.050 Plätzen wird in seiner Wirkung entscheidend durch die Farbglasfenster bestimmt. Die fünf Bildfenster im Altarraum zeigen von links nach rechts Stationen der Geschichte Jesu Christi: Jesu Geburt – Taufe Jesu – Kreuzigung – die Frauen am Grabe zu Ostern – Christi Himmelfahrt. Die Fenster sind – wie die Kirche insgesamt – im Zweiten Weltkrieg unversehrt geblieben.
Die liturgische Ausstattung, der bildkünstlerische Schmuck, aber auch der Kirchenraum insgesamt sind von großer Einheitlichkeit. Altar, Kanzel, Taufstein und Lesepult bilden ein harmonisches Ensemble. Sie sind aus Cottaer Sandstein gearbeitet und mit roten und dunkelgrünen Marmorsäulen versehen. Der Altar steht auf einem zweistufigen Podest aus Rochlitzer Porphyrtuff. An der Kanzel ist ein figurenreiches Relief aus carrarischem Marmor mit der Kreuztragung Christi zu sehen. Der Taufstein wird durch einen reich verzierten Kupferdeckel mit der Figur Johannes des Täufers bekrönt. Das Gegenstück zur Kanzel bildet das Lesepult mit einem Sandsteinadler, auf dessen Kopf und Flügeln die Buchauflage ruht. Zwischen den Altarfenstern befinden sich Statuen der vier Evangelisten aus französischem Kalkstein. Die gegenwärtige farbliche Gestaltung der Kirche geht auf die Innenrenovierung 1962 zurück. Damals wurde die ursprüngliche dekorative Ausmalung, zu der auch ein Sternenhimmel an den Gewölben des Altarraumes gehörte, übermalt.
Die Orgel aus der Werkstatt der Dresdner Firma Jehmlich geht in ihrem Grundbestand auf das 1887 errichtete Werk zurück, ist jedoch mehrfach verändert und erweitert worden.
In beiden Weltkriegen mussten jeweils die zwei größeren Glocken abgegeben werden. 1922 bzw. 1951 wurden sie mit Hilfe von Spenden der Gemeinde durch Neugüsse ersetzt. Das heutige Geläut besteht aus drei Glocken und hat die Stimmung d’, fis’ und a’.
Aktuelle Projekte
Innensanierung
Knapp, aber gerade noch rechtzeitig vor der Konfirmation waren die Gerüste im Kirchenschiff abgebaut und die Kirche dank der Mithilfe etlicher freiwilliger Helfer gereinigt und wieder benutzbar. Inzwischen sind auch die Gerüste auf den Emporen entfernt und die restlichen Wandflächen gemalt, so dass die Innenausmalung des Kirchenraumes abgeschlossen ist. Nur in den Treppenhäusern und im Turmbereich wird in den nächsten Wochen noch gearbeitet werden. Viele Gemeindeglieder haben sich in den Gottesdiensten seit der Konfirmation schon überzeugen können, wie schön und auch ein Stück heller die Kirche geworden ist und wie die harmonische Gliederung des Raumes durch die Sandsteinbögen wieder eindrucksvoller zur Wirkung kommt. Viele haben auch schon ihre Freude über den Sternenhimmel im Gewölbe über dem Altar zum Ausdruck gebracht.
Um unseren restlichen Anteil an der Finanzierung der Innensanierung aufzubringen, wollen wir die Sterne symbolisch "verkaufen". Im Pfarramt liegt eine "Sternenkarte" aus, auf der jeder der über 300 Sterne eine Nummer hat. Gegen eine Spende von 100 EURO (die im Pfarramt bar einzuzahlen ist und für die es natürlich eine Spendenbescheinigung gibt) wird der Stern mit der entsprechenden Nummer dem Spender / der Spenderin oder einer bestimmten Person oder Familie, für die der Spender / die Spenderin dies will, gewidmet. Die Person, der ein Stern gewidmet ist, erhält darüber eine kleine Urkunde. Die Karte mit den Sternen und den Namen soll in der Kirche einsehbar sein.
Einen der ersten vergebenen Sterne haben Paten gemeinsam ihrem Patenkind "geschenkt". In gleicher Weise können auch die wieder schön gestalteten schmiedeeisernen Blumen an der Emporenbrüstung für 50 EURO symbolisch gekauft werden. Meist wird eine Kirche nach einer so umfassenden Sanierung mit einem festlichen Einweihungsgottesdienst wieder in Dienst genommen. Das ist bei uns gar nicht möglich gewesen, weil wir unsere Kirche schon vor dem endgültigen Abschluss der Arbeiten wieder nutzen mussten. Wir werden aber zum Kirchweihfest am 9. November (unsere Kirche ist am 10.11.1887, Luthers Geburtstag, geweiht worden) einen Dankgottesdienst zum Abschluss der Innensanierung feiern.
