Musik zum Karfreitag

Des Heilands letzte Stunden - 30. März 16 Uhr, Martin-Luther-Kirche Dresden

Des Heilands letzte Stunden - 30. März  16 Uhr, Martin-Luther-Kirche Dresden
Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Louis Spohr (1784-1859)
Text von Friedrich Rochlitz nach den Evangelisten Matthäus und Johannes

Als der in Braunschweig 1784 geborene Spohr 1821 nach Dresden zog, um seinen Kindern Unterricht bei dem damals bekannten Gesangslehrer Miecksch zukommen zu lassen, war Spohr bereits ein weit gereister, anerkannter und geschätzter Violinvirtuose, Lehrer, Dirigent und Komponist. Im Dezember 1821 bekam Carl Maria von Weber einen Ruf an das Hoftheater nach Kassel, wollte aber lieber in Dresden bleiben und empfahl Spohr für die Stelle. Da Spohr sich mit dem Kasseler Hoftheater einigen konnte, verließ er Dresden im Januar 1822 bereits vorzeitig wieder, seine Familie folgte ihm ein Vierteljahr später nach. In Kassel fand Spohr seine Lebensstellung und wirkte dort 35 Jahre lang mit der Möglichkeit 6 bis 8 Wochen jährlich Reiseurlaub zu haben. Neben seiner Tätigkeit im Opernbereich gab er in Kassel auch Abonnementskonzerte und Oratorienaufführungen. Nachdem es ihm 1827 wegen Zwistigkeiten mit dem Hof nicht gelang die Bachsche Matthäuspassion aufzuführen, war es ihm 1832 und 1833 und später noch mehrmals möglich. 1834 schrieb er seine Passion: Des Heilands letzte Stunden. Sie wurde am Karfreitag 1835 uraufgeführt und wurde bis nach England bekannt, wohin er mehrfach reiste. Mit Friedrich Rochlitz, Hofrat und zeitweise Herausgeber der Leipziger „Allgemeinen musikalischen Zeitung“, war Spohr schon seit 1804 bekannt. Er lieferte bereits Spohr die Textvorlage für das Oratorium „Die letzten Dinge“ (1825/26). Rochlitz steht mit seinem Libretto ganz in seiner Zeit. Obwohl der Bibeltext immer im Hintergrund da ist, wird er nicht wörtlich zitiert, vielmehr wird die Kenntnis der Passionsgeschichte beim Hörer vorausgesetzt. Dafür wird das persönliche Erleben wichtig, wie es durch die auftretenden Personen der Erzählung, Johannes, dem Lieblingsjünger, Maria, seiner Mutter, Petrus, Judas, Nikodemus und Joseph von Arimathia, möglich ist. Der Chor übernimmt die Rolle der Priester und des Volks, in erster Linie aber die Rolle der Freunde und Freundinnen Jesu. Das etwa 100 Minuten dauernde Oratorium Louis Spohrs ist von einem eigenen, klassisch-romantischen Stil, seine Melodik von chromatischen Linien geprägt. Herzliche Einladung zu dieser zu Herzen gehenden Musik zum Karfreitag. Markus Leidenberger

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