Johannespassion am Karfreitag in der Martin-Luther-Kirche

Die Johannes-Passion ist eines der faszinierendsten Werke Bachs.

Die Johannes-Passion ist eines der faszinierendsten Werke Bachs. Ihr Text zeugt von einem tiefen Verständnis für das Gedankengut des Evangelisten Johannes. In der Komposition ist die Korrespondenz der Bibelwortchöre untereinander ein musikgeschichtlich einmaliges Phänomen. Die Tatsache, dass die Passion in vier unterschiedlichen Fassungen überliefert ist, wirft zahlreiche Fragen auf. Welche Änderungen entstanden in der Absicht Bachs, das Werk zu verbessern? Welche sind notgedrungenes Zugeständnis an die jeweiligen Aufführungsbedingungen oder an Auflagen der Obrigkeit?

Die Johannes-Passion ist die früheste der heute bekannten Passionsmusiken Bachs. Entstanden sind die Passionsmusiken aus der Tradition heraus, die Passionsgeschichte (den biblischen Bericht vom Leiden und Tod Jesu Christi) im Gottesdienst in verteilten Rollen vorzulesen oder zu singen, wobei an der Handlung beteiligte Menschenmengen durch Turba-Chöre dargestellt wurden. Von Bach selbst sind von insgesamt fünf Passionen nur die Johannes- und die Matthäuspassion erhalten. Es ist möglich, dass Bach bei Teilen der Johannespassion auf ein früheres Werk zurückgegriffen hat.

Von der Karfreitag 1724 uraufgeführten ersten Fassung des Werks sind lediglich Einzelstimmen erhalten, die jedoch große Ähnlichkeit mit der heute verbreiteten Fassung aufweisen. Ein großer Teil der für die zweite Aufführung 1725 vorgenommenen Änderungen wird heute darauf zurückgeführt, dass Bach nicht in zwei aufeinander folgenden Jahren dieselbe Fassung aufführen wollte. Er ersetzte den Anfangs- und Schlusschor durch zwei Choralbearbeitungen „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ und „Christe, du Lamm Gottes“ und tauschte eine Reihe von Rezitativen und Arien aus. Es wird vermutet, dass ein Teil der eingefügten Sätze aus einem bereits in Weimar entstandenen Werk stammen und dass Bach die Passion durch die Veränderungen besser in die Reihe der Choralkantaten einpassen konnte, die er im Jahrgang 1724/25 systematisch schrieb.

In der dritten Fassung (1728 oder 1732) machte Bach die wesentlichen Änderungen der zweiten Fassung rückgängig. Er entfernte darüber hinaus – möglicherweise aufgrund einer Anordnung der Obrigkeit – alle Textstellen, die aus dem Matthäusevangelium stammten.

Die letzte zu Bachs Lebzeiten aufgeführte Variante stammt von 1749. Sie entspricht im Wesentlichen wieder der Struktur von 1724, ist jedoch im instrumentalen Bereich deutlich erweitert. Zudem sind einige der freien Arientexte tiefgreifend umgedichtet. Inwieweit diese Textänderungen auf fremde Initiative zurückgingen oder sogar erst nach Bachs Tod durchgeführt wurden, ist nicht zu klären.

Die Johannes-Passion besteht aus zwei Teilen, die sich an der theologisch üblichen Gliederung des Passionsberichts orientieren. Der erste Teil berichtet von Verrat und Gefangennahme Jesu sowie der Verleugnung durch Petrus. An dieser Stelle folgte im Gottesdienst üblicherweise die Predigt. Der zweite Teil ist wesentlich länger und erzählt von den Verhören und der Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus, von Kreuzigung und Tod, sowie schließlich von dem Begräbnis.

Die Choraltexte stammen größtenteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert und gehen auf bekannte Kirchenlieddichter wie Martin Luther, Michael Weiße, Martin Schalling und Johann Heermann zurück.

Den Kern des Textes der Johannes-Passion stellt der Passionsbericht des Johannesevangeliums in der Lutherübersetzung dar. Johannes stellt die göttliche Natur Jesu Christi besonders in den Vordergrund. Die Passion erscheint daher stärker im Licht einer Heimkehr des Gottessohns zu seinem Vater als der irdischen Qualen des Menschen Jesus von Nazaret.

Seien Sie herzlich eingeladen, dieses eindrucksvolle Werk am Karfreitag in der Martin-Luther-Kirche zu erleben!


Elke Voigt

(Quellen: Alfred Dürr: „J.S. Bach Die Johannespassion“ und Wikipedia)

 

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